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Streitenbergers Page
(Anm.: sämtliche Hervorhebungen nicht im Original)
A) Zusammenfassung
Im Folgenden wird behauptet, dass die Auslegung John
MacArthurs genau das Gegenteil des eigentlichen Sinnes von Mat 23:37
darstellt und somit als Falschauslegung und Gewaltanwendung auf
den biblischen Text vollständig als böse zu verwerfen ist.
Im Kern geht es um die alte Frage nach dem Verhältnis von Gottes Heiligkeit, Sündlosigkeit und Souveränität im Gegensatz zur menschlichen Sünde, Rebellion und Verhärtung der Herzen in Bezug auf das heilige Reden und Wirken Gottes.
John MacArthur nimmt in seiner Auslegung und Auflösung dieser alten Frage eine Vermischung beider völlig gegensätzlichen Pole vor und verunehrt Gottes heiligen Willen, indem er diesen mit menschlicher Rebellion in Verbindung bringt und kombiniert.
MacArthur verschmutzt die Absicht des Heilands zur Errettung Jerusalems, indem er behauptet, der Unwille Jerusalems zum Heil in Christus, wäre durch Gottes Weigerung die notwendige Gnade zu gewähren, selbst bedingt.
Mit Paulus ist folgende Frage zu stellen:
2Kor 6:14-15 Welche Genossenschaft hat Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? und welche Übereinstimmung Christus mit Belial?
Der Vorwurf an MacArthur lautet: durch seine Auslegung von Mat 23,37 wird
Christus mit Belial (d.h. Satan) in Verbindung gebracht, Licht mit Finsternis
und Gerechtigkeit mit Gesetzlosigkeit verknüpft.
Durch MacArthurs Auslegung wird zudem ein schizophrenes und verzerrtes Gottesbild vermittelt, das einer Beleidigung von Gottes Heiligkeit entspricht.
B) Die Bibelstelle Mt 23:37:
Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein versammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt!
C) Der Kommentar von John MacArthur:
Gott ist absolut souverän und somit völlig imstande, das geschehen zu lassen, was immer er wünscht [...], einschließlich der Errettung jedes Menschen, den er zum Heil erwählt (Eph 1,4.5). Dennoch äußert er zuweilen einen Wunsch über etwas, das er durch seine Souveränität nicht zur Erfüllung bringt [...]. Derartige Äußerungen deuten in keiner Weise auf eine Einschränkung der Souveränität Gottes hin oder dass er sich verändert habe [...]. Doch offenbaren diese Aussagen wesentliche Aspekte des Charakters Gottes: Er ist voller Mitgefühl, aufrichtig gut zu allen, ersehnt das Gute und nicht das Böse und hat daher keinen Gefallen am Verderben des Gottlosen [...]. Während einerseits Gottes Souveränität uneingeschränkt gilt, müssen wir andererseits seine Aufforderung an die Verworfenen zur Buße als ernst gemeinte Appelle verstehen – und seine Güte gegenüber dem Gottlosen als echte Barmherzigkeit, die den Sünder zur Buße erwecken soll [...].. Die von Christus hier (und an ähnlichen Stellen wie z.B. Lk 19,41) gezeigte Gefühlsregung kommt aus der Tiefe seines Herzens. Alle Emotionen Christi müssen in voller Harmonie mit seinem göttlichen Willen stehen [...]. Deshalb sollten wir diese Klage nicht als bloßen Ausdruck seiner Menschlichkeit verstehen.
D) Kritik am Kommentar von John MacArthur:
Mat 23:37 stellt für calvinistische Lehrer eine große Herausforderung dar, wie sie ihr Lehrsystem dort hineinbringen können, da dem klaren Willen des Herrn („wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen“) die klare Ablehnung dieses Willens seitens der Menschen (hier der Bevölkerung Jerusalems) gegenübersteht:
„Ihr habt nicht gewollt“. Man sieht eine völlige Polarisierung, die man wie folgt wiedergeben könnte: der Heiland wollte das Heil Jerusalems – die Bewohner wollten es nicht ! In subtiler Weise versucht MacArthur in seiner Auslegung diesem Vers einen Sinn zu geben, der genau das Gegenteil bedeutet, als die Heilige Schrift hier zum Ausdruck bringen will:
1) „Gott ist absolut souverän und somit völlig imstande, das geschehen zu
lassen, was immer er wünscht“
In anderen Worten stellt MacArthur mit seinem Satz zunächst hypothetisch folgendes fest:
Alles, was Gott will, kann er auch souverän durchsetzen, so dass es wirklich geschieht. Dem genannten Satz John MacArthur’s wird niemand jemals widersprechen, der an einen allmächtigen Gott glaubt. Bei diesem Satz setzt die Vermischung von richtig und falsch, mit einer zunächst wahren Aussage ein.
Anm.: Für Calvinisten ist es unvorstellbar, dass Gott souverän ist und bleibt, auch wenn er Ungehorsam und Böses geschehen lässt, das er gerade nicht will, wünscht oder bestimmt hat – ja Dinge, die er sogar hasst und deutlich verboten hat.
Hypercalvinisten wie H.W. Deppe und A. Pink behaupten an dieser Stelle, dass Gott sogar den Sündenfall befohlen bzw. vorherbestimmt hat, um an einer falschen Vorstellung von Gottes Souveränität festhalten zu können.
Als Gegenposition steht im Raum, dass Gott Böses, Sünde und Rebellion böse, sündig und rebellisch sein lässt und völlig davon getrennt ist, aber trotzdem seine Souveränität hervorgehoben werden, ja sogar betont werden kann.
2) „einschließlich der Errettung jedes Menschen, den er zum Heil erwählt (Eph 1,4.5).“
Die aufgestellte Hypothese, dass Gott alles, was er will auch durchsetzen kann, wird nun auf die Erlösung bezogen. Diese Schlussfolgerung wird „wirksame Gnade“ genannt.
Gott könnte einerseits – so MacArthur – jeden Menschen unwiderstehlich erretten (Satz 1: Gott kann alles geschehen lassen, was er will). Andererseits rettet der Gott MacArthurs auch tatsächlich einige Menschen – jedoch nur diejenigen, die er aus der Masse Mensch „zum Heil erwählt“ hat. Ganz Jerusalem hätte also – nach MacArthur – tatsächlich gerettet werden können, wenn Gott dies tatsächlich gewollt hätte.
Anm.: Die Fragestellung in Bezug auf die Kritik an MacArthur ist nun: hat Gott sich in seiner Souveränität vorgenommen, die Errettung der Menschen (bzw. nach calvinistischem Konzept: einiger erwählter Ungläubiger) souverän – d.h. gegen jeden Widerstand hinweg durchzusetzen ? Diese Aussage entspricht der calvinistischen TULIP-Lehre (unwiderstehliche Gnade etc.): Gott habe angeblich das Heil mancher ungläubiger Menschen vorweltlich beschlossen und führt diesen Beschluss ohne Wiederstandsmöglichkeit aus.
Jerusalem sollte – so MacArthur – gar nicht gerettet werden, da Gott ihnen die „unwiderstehliche Gnade“ nicht gewährt hat, durch die sie gerettet worden wären.
MacArthur führt als Beweis Eph 1,4.5 an. Daher sollte diese Belegstelle sehr genau betrachtet werden:
Eph 1:4-5 wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, daß wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe; 5 und uns zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesum Christum für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens.
Mit keiner Silbe werden hier Ungläubige erwähnt – mit keiner Silbe wird hier die Wiedergeburt oder Bekehrung erwähnt. Der Brief an die Epheser ist ausschließlich an Gläubige adressiert: diese sind vorweltlich zur Heiligkeit auserwählt und zur Sohnschaft vorherbestimmt.
3) „Dennoch äußert er zuweilen einen Wunsch über etwas, das er durch seine Souveränität nicht zur Erfüllung bringt“
Hier nimmt MacArthur Bezug auf die Aussage bzw. den Wunsch des Heilandes, dass er Jerusalem zum Heil versammeln wollte. MacArthur verwendet dabei das Wort „zuweilen“, damit nicht ad hoc der hierin aufgestellte Irrsinn offenbar wird – trotzdem sollen die Gedanken MacArthurs nachvollzogen werden:
dann und wann – so MacArthur – wünscht sich Gott etwas, das er auch tun könnte (hier: das Heil Jerusalem wird zwar vom Heiland gewünscht), aber er bringt diesen selbst-geäußerten Wunsch – obwohl er es könnte (Satz 1) – nicht zur Erfüllung (hier: Jerusalem wird verworfen und nicht gerettet, obwohl der Heiland dies gewünscht hat, da er seinen eigenen Wunsch nicht ausführt, obwohl er dies könnte).
Anm: Hier muss der Vorwurf der Vermittlung eines schizophrenen Gottesbildes
aufgestellt werden: einerseits behauptet MacArthur in Satz 1, dass Gott das
geschehen lassen kann, was er will, andererseits wünscht sich Gott auch Dinge,
die er – obwohl er dies könnte – nicht verwirklichen will bzw. zur „Erfüllung
bringt“.
Im angeführten Satz verwirklicht sich das Schriftwort
: “indem sie sich für weise hielten sind sie zu
Narren geworden“. (Röm 1,22)
4) „Derartige Äußerungen deuten in keiner Weise auf eine Einschränkung der Souveränität Gottes hin oder dass er sich verändert habe. Doch offenbaren diese Aussagen wesentliche Aspekte des Charakters Gottes: Er ist voller Mitgefühl, aufrichtig gut zu allen, ersehnt das Gute und nicht das Böse und hat daher keinen Gefallen am Verderben des Gottlosen“
Mit „derartige Äußerungen“ bezieht sich MacArthur hier auf den vermeintlichen Heilswillen von Jesus Christus, den dieser – obwohl er es könnte – nicht durchführt.
MacArthur versucht sich hier vor der Konsequenz seiner Aussagen zu verstecken:
Er betont und charakterisiert
nämlich den Heilswillen (Mitgefühl, aufrichtig gut zu allen, Ersehenen des Guten
und nicht des Bösen, kein Gefallen am Verderben des Gottlosen).
Allerdings unterschlägt er – damit die von ihm aufgestellten Behauptungen auch
ja genießbar sind – warum der Heiland – obwohl er es könnte – diesen wunderbaren
Heilswillen nicht verwirklicht.
Hier zieht MacArthur den heiligen Willen Gottes vollständig in den Dreck und bezichtigt Gott – schön verpackt – der Sünde:
Jak 4:17: „Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut es nicht, dem ist es Sünde.“
Der Heiland wusste – so MacArthur – das Gute zu tun – tut es jedoch nicht – und somit wird dem Heiland Sünde unterstellt: diese Aussage ist reinste Lästerung des Sohnes Gottes !
Anm.: MacArthur bemerkt wohl selbst den von ihm aufgestellten Irrsinn und
versucht zu retten, was zu retten ist: Gott kann zwar alles durchsetzen, was er
sich vorgenommen hat, er äußert jedoch „zuweilen“ (Satz 3) Wünsche, die er –
obwohl er es könnte – nicht durchsetzt. An dieser Stelle ist nur eine
Frage zu stellen – liegt die Schizophrenie bei Gott oder bei MacArthur ?
Mit Souveränität Gottes hat dies
überhaupt nichts mehr zu tun. Der hier aufgestellte Satz ist ein klarer
Widerspruch zum bisher behaupteten: Gott will zwar das Heil Jerusalems und
äußert auch diesen Wunsch – er könnte dieses Heil auch per unwiderstehlicher
Gnade durchsetzen – tut dies aber (so MacArthur) nicht: es handelt sich dabei
klar um eine Differenz von Plan und Ausführung – also einer
Einschränkung/Veränderung von Wunsch und Wirklichkeit innerhalb der Gottheit.
MacArthur kann sich hier also mit seiner Behauptung der Kontinuität in keiner
Weise aus der Affäre ziehen.
5) „Während einerseits Gottes Souveränität uneingeschränkt gilt, müssen wir andererseits seine Aufforderung an die Verworfenen zur Buße als ernst gemeinte Appelle verstehen – und seine Güte gegenüber dem Gottlosen als echte Barmherzigkeit, die den Sünder zur Buße erwecken soll [...]..“
Dieser Aussage liegt wieder die falsche Lehre des „allgemeinen“ und des „wirksamen“ Rufes zugrunde (in anderen Worten: das calvinistische Übergehungs- und Vergewaltigungsevangelium):
Von Gott persönlich per vorweltlichem Beschluss verworfenen Menschen (einfache/doppelte Prädestination) wird (allgemeiner Ruf) die Buße gepredigt. Hier von „ernst gemeinten Appellen“ zu sprechen ist blanke Lästerung, da diese Gruppe nicht Busse tun KANN, da dieser Gruppe von Verworfenen die dazu notwendige „unwiderstehliche Gnade“ seitens des Gottes Calvins nicht gewährt wird. Die vom Heiland gewünschte „Güte“ den Gottlosen gegenüber, die zur Buße erwecken soll, wird nicht verwirklicht, da diese Gruppe nicht zum Heil erwählt wurde. Die falsche „general-effectual“ Ruf Lehre MacArthurs etc. ist somit ein Widerspruch/Irrsinn in sich selbst.
Anm.:
Mit „wir“ meint MacArthur natürlich die Sekte der Calvinisten, die diese falsch verstandene Souveränität und den aufgestellten Irrsinn schlucken müssen.
6) Die von Christus hier [...] gezeigte Gefühlsregung kommt aus der Tiefe seines Herzens. Alle Emotionen Christi müssen in voller Harmonie mit seinem göttlichen Willen stehen [...]. Deshalb sollten wir diese Klage nicht als bloßen Ausdruck seiner Menschlichkeit verstehen.“
Nach MacArthur wird hier dem Heiland die Sünde aus Jak. 4,17 unterstellt: Christus weiß angeblich um die Notwendigkeit dem verlorenen Jerusalem die „wirksame Gnade“ ohne die es nicht geht (conditio sine qua non) zu gewähren, zudem verweist er auf die Gefühlsregungen/Emotionen aus der „Tiefe des Herzens“ in Harmonie mit dem „göttlichen Willen“ – was MacArthur hier behauptet ist jedoch nichts als pure Gotteslästerung und Christus wird mit Belial vertauscht ! Der Herr könnte Jerusalem helfen – er tut es aber nicht !
Wehe denen, die diese bösen Lehren unter das Volk Gottes bringen !
Peter Streitenberger