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Die Himmelreichsgleichnisse in Matthäus 13

 

 

A) DER GRUND DER VERWENDUNG VON GLEICHNISSEN

 

In Mat Kap 12 wird von der Verwerfung des Messias berichtet. Am selben Tag beginnt Jesus in Gleichnissen zu reden. In Kap 13,10ff wird der Grund angegeben, warum Jesus nun diese Form der Lehre verwendet. Bis dahin lehrte Jesus in klarer und eindeutiger Sprache, die allgemein verstanden wurde – etwa in der Form, die der Herr in der Bergpredigt verwendet hat.

Nun wollten die Jünger wissen, warum Jesus nun die Gleichnisform verwendet. Der Herr antwortet in den nächsten Versen:

 

Mt 13:11-14  Weil es euch gegeben ist, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen; jenen aber ist's nicht gegeben.  12 Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird Überfluss haben; wer aber nicht hat, von dem wird auch das genommen werden, was er hat.  13 Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen, weil sie sehen und doch nicht sehen, und hören und doch nicht hören und nicht verstehen;  14 und es wird an ihnen die Weissagung des Jesaja erfüllt.

 

Der erste Grund der Gleichnisrede ist somit, die Jünger in die Geheimnisse des Himmelreiches einzuführen. Die Parallelstelle in Mk 4:34 beschreibt den Sachverhalt, dass die Jünger – im Gegensatz zur ungläubigen Masse - in besonderer Weise durch Jesus den Sinn dieser Gleichnisse vermittelt bekommen: „Ohne Gleichnis aber redete er nicht zu ihnen; aber seinen Jüngern erklärte er alles besonders.“ Hieran wird deutlich, dass ohne nähere Erklärung, die Gleichnisse selbst für die Jünger, nicht ohne weiteres verständlich waren. Für die Nachfolger des Herrn dienten die Gleichnisse als anschauliche Illustration göttlicher Wahrheiten, in die sie durch Jesus selbst eingeführt wurden.

 

Der zweite Grund liegt darin, diese Wahrheiten der Masse, die Jesus als Messias verworfen hat (Kap 12), vorzuenthalten. Wenn jemand das Licht, das er hat, abweist, wird ihm nicht mehr davon gewährt. Das wenige Licht und die geringe Erkenntnis, wird durch die Verwendung der Gleichnisrede, von denen genommen, die Jesus und seine Rede abgewiesen haben. Israel hat als Nation das Licht des Messias abgelehnt und wird nicht mehr Erkenntnisse bzw. Licht erhalten. Daher ändert Jesus seine klare und allgemeinverständliche Vortragsweise, damit die ungläubige Masse nicht weiter in göttliche Geheimnisse eingeführt wird.

 

Der dritte Grund ist die Erfüllung der Prophetie. Jesus zitiert den Propheten Jesaja, der angekündigt hat, dass der Messias in Gleichnissen reden wird und das verstockte Volk nichts davon verstehen wird - „und ohne Gleichnis redete er nicht zu ihnen“ (Vers 34).  In Vers 35 wird der Punkt der Erfüllung biblischer Prophetie wieder aufgegriffen: „damit erfüllt würde, was durch den Propheten gesagt ist, der da spricht: «Ich will meinen Mund in Gleichnissen auftun, ich will verkündigen, was von Grundlegung der Welt an verborgen war.»“.  Durch die Verwendung der Gleichnisrede weist Jesus auf eine Eigenschaft als Messias hin, die bereits in den Psalmen beschrieben wurde – nämlich die Verwendung von Gleichnissen.

 

 

B) Das Reich der Himmel

 

In der Schrift wird kein Unterschied zwischen dem „Reich Gottes“ und dem „Reich der Himmel“ gezogen. Dies kann im Vergleich der Parallelberichte gesehen werden: Mark 4,11 verwendet im selben Zusammenhang „Reich Gottes“ – Mat 13,11 hingegen „Reich der Himmel“.  Das Evangelium von Matthäus ist an Judenchristen gerichtet. Juden verwendeten den Namen Gottes oft nicht direkt, sondern umschrieben ihn gerne, um einem Missbrauch des Namens Gottes vorzubeugen.

Wie ist nun das „Reich Gottes“ bzw. das „Reich der Himmel“ zu verstehen ? Das Grundkonzept ist die Herrschaft Gottes über einen bestimmten Bereich.

Zunächst ist festzuhalten, dass Gott der souveräne Herrscher des Universums ist, und nichts außerhalb seiner Kontrolle stattfinden kann. Man könnte von universaler Herrschaft Gottes über das Universum sprechen. Innerhalb dieses Bereichs finden jedoch auch Dinge statt, die nicht Gottes Willen entsprechen, so etwa die Sünde, Unglaube und Dämonie. Diese Dinge können nur durch die Zulassung Gottes existieren, müssen aber von seinem eigentlichen Willen unterschieden werden.

 

Im weiteren Sinn kann von der Herrschaft Gottes über Gläubige gesprochen werden – dort wo nach Gottes Willen gehandelt wird. Dieser Bereich wird von allen Erretteten aller Zeiten begrenzt. Dieses Reich ist nicht von bestimmten Landesgrenzen oder Zeiten wie etwa das Tausendjährige-Reich limitiert.

 

Der nächste Bereich von Gottes Herrschaft kann als Theokratie verstanden werden. Dieses Konzept wurde von Mose eingeführt und sollte im Volk Israel verwirklicht werden. Dazu verwendete Gott einen Mittler, um indirekt seine Herrschaft durch Führer wie Mose oder Josua auszuüben. Die erste Form der Theokratie kann als indirekte Herrschaft bezeichnet werden. Diese Form der Herrschaft war aufgrund der Unzulänglichkeiten und Sünden der Könige und Führer Israels, dem Verfall und dem Niedergang unterworfen. Mit der Wegführung nach Babylon fand die indirekte Theokratie ihr Ende und wurde von der Herrschaft der Heidenvölker über Israel abgelöst.

 

Daher kündigten die Propheten eine bessere Form der Herrschaft Gottes an: das Reich des Messias.

In diesem Reich regiert der Messias Israels direkt – die Dauer wird sich über tausend Jahre erstrecken. Diese Form des Reiches wurde durch Johannes den Täufer angekündigt, von Jesus angeboten - vom jüdischen Volk jedoch in Mat 12 abgelehnt.

 

Die Form der Herrschaft Gottes, die in den Gleichnissen in Mat 13 beschrieben wird, ist das verborgene Reich der Himmel. Diese Form des Reiches wird in Mat entfaltet und umfasst den Zeitraum vom ersten bis zum  zweiten Kommen von Jesus Christus und kann mit der Zeit der allgemeinen Christenheit gleichgesetzt werden. Diese Form des Reiches muss von den anderen Formen unterschieden werden. Die verborgene Form des Reiches etwa ist ein Geheimnis – ganz im Gegensatz zum messianischen Reich, das durch die Propheten eingängig beschrieben ist. Zudem ist das verborgene Reich nicht mit der Gemeinde gleichzusetzen, die nur aus wiedergeborenen Christen besteht, da in dieser Form auch Ungläubige beinhaltet sind.

Dafür ist die beste Bezeichnung daher die „allgemeine Christenheit“. Der Beginn ist mit Pfingsten gegeben und endet mit der großen Trübsal, während dessen es eine Form der Christenheit geben wird, die in Offb 17 und 18 jedoch als große Hure bezeichnet wird.

 

C) Der Inhalt der Gleichnisse – die Geheimnisse des Himmelreichs


Die Gleichnisse in Mat 13 zeigen also die verborgene Form des Reiches Gottes an, nachdem die öffentliche Form – das messianische Reich – vom jüdischen Volk zurückgewiesen wurde. Durch die Ablehnung Israels wurden die Pläne Gottes nicht durchkreuzt, sondern eine andere Art des Reiches eingeführt: die allgemeine Christenheit, zwischen der Ablehnung des messianischen Reiches und dessen tatsächliche Aufrichtung beim Kommen des Messias Jesus Christus auf diese Erde.

 

Die Gleichnisse müssen in Zusammenhang ausgelegt werden und der rote Faden, der sich durch dieses Kapitel zieht nachvollzogen werden. Der Herr Jesus gibt stets eine bekannte Tatsache aus dem alltäglichen Leben an, an die sich geistliche Wahrheiten anschließen, die das Reich der Himmel kennzeichnen.
 

1) Das vierfache Ackerfeld

 

Mt 13:3-9  3 Und er redete zu ihnen vieles in Gleichnissen und sprach: Siehe, der Sämann ging aus zu säen.  4 Und indem er säte, fiel etliches an den Weg, und die Vögel kamen und fraßen es auf.  5 Anderes aber fiel auf den felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte; und es ging alsbald auf, weil es nicht tiefe Erde hatte;  6 als aber die Sonne aufging, ward es verbrannt; und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es.  7 Anderes aber fiel unter die Dornen; und die Dornen wuchsen auf und erstickten es.  8 Anderes aber fiel auf gutes Erdreich und brachte Frucht, etliches hundertfältig, etliches sechzigfältig und etliches dreißigfältig.  9 Wer Ohren hat zu hören, der höre!

 

 


In diesem Gleichnis wird deutlich, dass das Zeitalter der allgemeinen Christenheit mit dem Aussäen des Samens beginnt und davon gekennzeichnet ist. Der Same ist das Wort Gottes, das beim Säen auf vierfachen Untergrund trifft. Die vier Böden sind die verschiedenen Arten des menschlichen Herzens in ihrer Reaktion auf das ausgestreute Saatgut.

Die Böden werden durch ihre Reaktion auf den ausgestreuten Samen unterschieden.

 

Die Zahl „4“ zeigt darüber hinaus darauf hin, dass das Evangelium in die Völkerwelt geht. Dabei kann man an die 4 Winde der Erde (Offb 7,1; Mk 13,27; Sach 6,5), an die 4 Enden der Erde (Jes 11,12; Offb 20,8; 7,1) oder an die 4 Weltreiche denken (Dan 7,17), von denen die Weltgeschichte geprägt ist.


Das vierfache Ackerfeld ist somit auch ein Bild für die ganze Welt und ihres Umgangs mit Gottes Wort. Global gesehen kann zwischen Ländern unterschieden werden, in denen Gottes Wort besonders Eingang gefunden hat, aber auch solche, die sich weitgehend gegen Gottes Wort verschließen. Die westliche Welt und besonders Deutschland wird zunehmend von einer Ablehnung und einer Oberflächlichkeit (d.h. der Same auf dem Weg bzw. dem felsigen Boden) dem Wort Gottes und dem Evangelium gegenüber geprägt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es dort nicht auch Menschen, Gruppen, Gemeinden oder gar Gebiete geben mag, in denen das Evangelium besonderen Einzug gehalten hat.


- der Same auf dem Weg

Diese Gruppe von Menschen ist dadurch gekennzeichnet, dass sie wie ein Weg festgetreten bzw. -gefahren sind und sich von ihrer Einstellungen, Meinungen und Überzeugungen (Evolutionstheorie, Religion, Weltanschauung etc.) nicht abbringen lassen wollen. Sie hören zwar von der biblischen Botschaft – das Wort dringt aber nicht durch die harte Oberfläche hindurch.

 

Im Parallelbericht in Luk 8,5 ist davon die Rede, dass der Same auf dem Weg zertreten wird. Das zeigt die Geringschätzung gegenüber dem ausgestreuten Samen und die Gleichgültigkeit, mit der Menschen am Evangelium achtlos vorübergehen. Auf diesem Hintergrund ist es natürlich leicht für den Satan, das Wort aus dem Menschenherzen wegzunehmen. Hieran wird deutlich, dass das Verschlossensein dem Evangelium gegenüber und dämonische Aktivität Hand in Hand auftreten. Satan verhärtet die ungläubigen Menschen, damit sie sich nicht zu Jesus Christus wenden und gerettet werden.

 

- der Same auf felsigem Boden

Dieser Teil des Ackerfeldes ist von Oberflächlichkeit charakterisiert. Über dem felsigen Untergrund befindet sich zu wenig Erde, als dass das Aufgehen des Samens möglich wäre.

Der Herr Jesus selbst kennzeichnet die Hörer wie folgt:

Mt 13:20-21  Auf den felsigen Boden gestreut aber ist es bei dem, welcher das Wort hört und alsbald mit Freuden aufnimmt;  21 er hat aber keine Wurzel in sich, sondern ist wetterwendisch. Wenn nun Trübsal oder Verfolgung entsteht um des Wortes willen, so nimmt er alsbald Anstoß.

 

Die anfängliche Begeisterung dem Evangelium gegenüber weicht – bei Änderung der äußeren Umstände – dem Anstoß und dem Abfall. Hierbei kann an die Begeisterung und Freude beim euphorischen Empfang durch die Masse beim Einzug Jesu in Jerusalem gedacht werden, die einige Tage später dem Ruf zur Kreuzigung vor Pilatus gewichen ist, gedacht werden.

 

Luk 8,13 spricht im Bezug auf den Felsenboden auch vom „befristeten“ Glauben: „sie haben keine Wurzel, sie glauben nur eine Zeitlang, und zur Zeit der Anfechtung fallen sie ab.“

Das bedeutet aber auch, dass sich die Echtheit des Glaubens in Prüfungs- und Verfolgungszeiten erweist. Hier kommt es oft zur Polarisierung zwischen echten, d.h. wiedergeborenen Kindern Gottes, und solchen, die es nicht sind, sondern nur zeitweise und oberflächlich-emotional von den Glaubensinhalten der Heiligen Schrift angetan sind.


- der Same unter den Dornen
Die nähere Erklärung des Herrn Jesus in Mat 13:22 lautet: Unter die Dornen gesät aber ist es bei dem, welcher das Wort hört; aber die Sorge um das Zeitliche und der Betrug des Reichtums ersticken das Wort, und es bleibt ohne Frucht.

Das zeitliche Moment ist im Gegensatz zum vorherigen Boden (Felsen) deutlicher ausgeprägt. Hier ist von Dornenwachstum die Rede, das die langsam das ausgesäte Saatgut erstickt, sodass keine Frucht entsteht. Bei den Menschen, die mit dem Felsenboden verglichen werden, findet der Abfall durch äußere Umstände wie Verfolgung oder Anfechtung statt. Hier ist der Abfall ein langsamer Prozess und es wird es nach gewisser Zeit deutlich, dass der Bezug auf irdische Dinge, den äußerlich-angenommenen Glauben wieder verdrängt hat. Persönliches Fortkommen und Selbstverwirklichung nehmen den Platz des Glaubens an das Evangelium ein. Dies verhindert echtes Aufkommen von Frucht und zeigt, dass inkonsequentes Christentum und Kompromissbereitschaft nicht das Kennzeichen echter Wiedergeburt – wie es im letzten Ackerfeld repräsentiert sind – darstellen.

 

- der Same auf gutem Boden

 

Hier wird der Teil der Menschen beschrieben, der durch echte Buße und Hinwendung an Jesus Christus die Wiedergeburt durch den Heiligen Geist erlebt hat und dem Herrn Jesus Christus nachfolgt.

 

Allerdings werden innerhalb dieser Gruppe auch deutliche Unterschiede beschrieben:

Mt 13:23 Auf das gute Erdreich gesät aber ist es bei dem, welcher das Wort hört und versteht; der bringt dann auch Frucht, einer hundertfältig, ein anderer sechzigfältig, ein dritter dreißigfältig.

Wird die Abnahme der Frucht innerhalb der echten Gemeinde Jesu chronologisch verstanden (von hundertfältiger bis zur dreißigfältiger Frucht), dann zeigt sich hier die Entwicklung, die – parallel zu Offb 2 und 3 – hin zum Typus der Laodicea-Gemeinde führt und kennzeichnend für die Endzeit sein wird. Die Aufgabe konsequenten Glaubenslebens, kann darüber hinaus auch beim einzelnen Christen Symptom für eine Störung in seiner Beziehung zu Jesus Christus sein.

 

Im Parallelbericht in Lk 8:15 ist folgendes zu lesen: Das in dem guten Erdreich aber sind die, welche das Wort, das sie gehört haben, in einem feinen und guten Herzen behalten und Frucht bringen in Geduld.

 

Hier wird die Dauerhaftigkeit und echte Lebensverbindung der Gläubigen mit dem Evangelium beschrieben, aus der die echte Frucht – d.h. konkrete Lebensäußerungen, die durch den Glauben an Jesus Christus hervorgerufen werden – sichtbar wird. Der hier beschriebene Glaube ist nicht von äußeren Umständen – etwa Verfolgungen – oder langsamer innerer Abkehr geprägt, wie bei den vorherigen Menschen, sondern ist von der Beibehaltung der durch das Wort Gottes vermittelten Wahrheit im Evangelium und dauerhaften lebenspraktischen Konsequenzen im Leben gekennzeichnet.

 

2) Die wachsende Saat

Mk 4:26-29   Und er sprach: Mit dem Reiche Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch den Samen in die Erde wirft  27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag, und der Same keimt und geht auf, ohne dass er es weiß.  28 Denn die Erde trägt von selbst Frucht, zuerst den Halm, hernach die Ähre, dann den vollen Weizen in der Ähre.  29 Wenn aber die Frucht sich darbietet, schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.


Dieses Gleichnis ist nur im Markusevangelium überliefert. Dieses Gleichnis hat einige Hauptpunkte:

Der – in Übereinstimmung mit dem ersten Gleichnis - ausgestreute Samen, geht unabhängig von menschlicher Einflussnahme auf. Im Samen – dem Wort Gottes – liegt eine eigene innere Kraftentfaltung.

 

Das Geheimnis ist nicht von außen erkennbar und liegt in der eigenen Kraft, die das Evangeliums hat. Die einfache Botschaft vom gekreuzigten Christus ist in der Lage, wenn sie verbreitet wird, Menschen zu verändern und zu retten. Wie der kleine unscheinbare Same in der Erde aufgeht, so geht der Same in den Menschenherzen auf und bewirkt Lebensveränderung.

Der Same hat eine eigene Energie, die sich erst im Boden entfaltet. So muss das Wort Gottes auf das menschliche Herz treffen, um sichtbare Wirkung und Veränderung zu bewirken. Diese Dynamik ist nicht vom Sämann, d.h. von demjenigen, der das Wort Gottes predigt, abhängig, sondern entwickelt eine eigne innere Kraft.

 

3) Das Unkraut unter dem Weizen

 

Mt 13:24-30  24 Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte.  25 Während aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging davon.  26 Als nun die Saat wuchs und Frucht ansetzte, da zeigte sich auch das Unkraut.  27 Und die Knechte des Hausherrn traten herzu und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen in deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?  28 Er aber sprach zu ihnen: Das hat der Feind getan! Da sagten die Knechte zu ihm: Willst du nun, dass wir hingehen und es zusammenlesen?  29 Er aber sprach: Nein! damit ihr nicht, indem ihr das Unkraut zusammenleset, zugleich mit ihm den Weizen ausraufet.  30 Lasset beides miteinander wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte will ich den Schnittern sagen: Leset zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bündel, dass man es verbrenne; den Weizen aber sammelt in meine Scheune!

 

In diesem Gleichnis wird deutlich, dass das Säen des guten Samens begleitet wird vom Aussäen eines schlechten Samens – nämlich den des Unkrauts. Die beiden Aussaaten führt jeweils zu zwei unterschiedlichen Ergebnissen: dem Unkraut und dem Weizen.

Die Aussaat des Unkrautes ist direkte feindliche Opposition zur Aussaat des guten Weizens und hat das Ziel Schaden anzurichten. So wie sich die böse Saat im Unkraut manifestiert, kann die dämonische Wirksamkeit in ihren Resultaten erkannt werden: in falschen Schriften, unbiblischem Verhalten, Irrlehren etc.

 

Erst die Ernte am Ende der Zeit wird eine entgültige Entscheidung bringen, in der die zwei Gewächse getrennt werden. Dies wird beim Kommen des Messias stattfinden, in dem die wahren Gläubigen in das Reich („meine Scheune“) hineingehen werden – falsche Bekenner jedoch ausgeschlossen sein werden und in der Verdammnis gerichtet werden.

Analog zum ersten Gleichnis, ist der Sämann Jesus Christus selbst. Der Acker ist die Welt – der gute Same sind die Söhne des Reiches, d.h. echte Gläubige. Die Schnitter sind die Engel.

 

4) Das Gleichnis vom Senfkorn

 

Mt 13:31-32  31 Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Senfkorn, welches ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte.  32 Dieses ist zwar unter allen Samen das kleinste; wenn es aber wächst, so wird es größer als die Gartengewächse und wird ein Baum, so dass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.

 

In diesem Gleichnis wird ein abnormales äußeres Wachstum des Reiches beschrieben, bis es zu einem monströsen Gebilde wird. Dieses Gebilde wird zum Ruheort für Vögel.

Wenn Senfsame ausgesät wird, entsteht niemals ein riesiger Baum, sondern eine eher kleine Pflanze.

Der Mensch, der die Aussaat vornimmt kann – wie im Gleichnis vom Ackerfeld – mit dem Herrn Jesus Christus und seinen Nachfolgern gleichgesetzt werden. Der ursprünglichen Aussaat folgt jedoch ein unnatürliches Wachstum:

Im ersten Gleichnis werden die Vögel mit Agenten Satans identifiziert. Diese Vögel bezeichnen somit pseudochristliche Bewegungen innerhalb der Christenheit, die schlussendlich in einer enormen Bewegung enden und Wohnsitz verschiedner Vögel –d.h. Dämonenlehren – werden. Dieser Bericht entspricht der endzeitlichen Beschreibung  der Christenheit in Offb 17 und 18. Dort wird die abgefallene Christenheit als Hure beschrieben, die nach Offb 18:2  „ein Gefängnis aller unreinen und verhassten Vögel“ geworden ist.

 

5) Das Gleichnis vom Sauerteig

Mt 13:33  33 Ein anderes Gleichnis sagte er ihnen: Das Himmelreich ist gleich einem Sauerteig, den ein Weib nahm und unter drei Scheffel Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert ward.

 

Der Herr Jesus macht hier zwei Hauptaussagen: zum einen wird es in der allgemeinen Christenheit eine pseudoreligiöse Wirksamkeit geben, die sich in der Korruption der reinen Lehre wiederspiegelt.

Wenn eine Frau in der Bibel symbolisch verwendet wird, zeigt dies oft eine falsche Religion wie in Offb 2,20 und Offb 17,1-8. Der Sauerteig wird in der Bibel ausschließlich für Sünde verwendet. In diesem Falle wird die Sünde der falschen Lehre veranschaulicht, das in der Christenheit Einzug hält und zersetzende Wirkung hat.

Die drei Scheffel Mehr können eine Unterteilung der Christenheit in die drei Hauptrichtungen anzeigen:

zum einen der Katholizismus, dann die orthodoxe Kirche des Ostens und den Protestantismus. In allen Bereichen ist mit Sauerteig – d.h. Irrlehre zu rechnen, die diese Systeme durchdringt, bis zum Endzustand der völligen Durchsäuerung. Dieser Endzustand steht im direkten Zusammenhang mit dem Gericht über die abgefallene Christenheit in Offb 17 und 18.

 

6-8) Der versteckte Schatz, die kostbare Perle und das Fischernetz

 

Auch die letzten drei Gleichnisse (der versteckte Schatz, die kostbare Perle und das Fischernetz) müssen im Gesamtzusammenhang verstanden werden. Inhaltlich bilden sie eine gewisse Einheit.

 

Hierbei muss im fünften und sechsten Gleichnis der Gegensatz zwischen dem Land, in dem sich der Schatz befindet, und dem Meer, aus dem die Perle kommt, gesehen werden:

Durch das Werk am Kreuz hat Christus die Menschheit mit Gott versöhnt: 2Kor 5,19 Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst. Diese Versöhnung wird für jeden wirksam, der glaubt (Joh 3,16). Dieses Werk des Herr geschah sowohl im Hinblick auf das Volk der Juden, als auch auf die Heiden:

Eph 2:15-16   nachdem er in seinem Fleische die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen, hinweggetan hatte, auf dass er die zwei [Anm.: Juden und Heiden], Frieden stiftend, in sich selbst zu einem neuen Menschen schüfe,  16 und die beiden [Anm.: Juden und Heiden]in einem Leibe mit Gott versöhnte durch das Kreuz, nachdem er durch dasselbe die Feindschaft getötet hatte.


Wir sehen im Werk des Herrn somit folgendes: Er hat Juden und Heiden mit Gott versöhnt – diese Erlösung wird jedem Juden und jedem Heiden zugeeignet, wenn dieser Buße tut und an Jesus Christus glaubt.

Wenn Land und Wasser symbolisch verwendet werden, deutet dies auf Israel und die Welt hin (siehe z.B. die Tiere aus dem Wasser und der Erde in Offb 13).

In Heb 6 etwa wird Israel mit dem Land gleichgesetzt, auf das Gott Regen gab und dennoch keine Frucht gab.

In Ps 65:8 wird die unruhige Welt der Heiden mit dem brausenden Meer verglichen: der du das Brausen der Meere stillst, das Brausen ihrer Wellen und das Toben der Völker

 

Für die Auslegung ist jedoch nicht nur der Unterschied zwischen Juden und Heiden zu berücksichtigen, sondern auch die Differenz vom Teil zum Ganzen: So wie der Schatz Teil des Ackers ist, so ist die Perle ein Teil des Meeres. Der Augenmerk des Käufers in den beiden folgenden Gleichnissen richtet sich auf den Schatz und die Perle, also auf diese besonderen Teile.

 

- Das Gleichnis vom versteckten Schatz:

Mt 13:44   44 Das Himmelreich ist gleich einem verborgenen Schatz im Acker, den ein Mensch fand und verbarg. Und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker.

 

Der erwähnte Mensch ist der selbe Akteur wie im Gleichnis vom Ackerfeld und dem Senfkorn: der Herr Jesus Christus. Durch sein Erlösungswerk am Kreuz, hat Christus den Acker bzw. das Land Israel und dadurch auch den Schatz erworben. Er hat alles hingegeben, um den Preis der Erlösung zu bezahlen:

Kol 1:20 und durch ihn alle Dinge mit sich zu versöhnen indem er Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes, durch ihn, es seien die Dinge auf der Erde oder die Dinge in den Himmeln.

 

Innerhalb des Ackers befindet sich der gläubige Überrest Israels, der Jesus Christus als Herrn und Heiland anerkennt, für den die Erlösung wirksam wird und der die Rechte des Herrn als Eigentümer des Ackers – Israels - anerkennt.

Zweimal wird in diesem Vers die Verborgenheit dieses Schatzes erwähnt. Nachdem der Schatz entdeckt wurde, blieb er innerhalb des Ackers, und löste beim Entdecker Freude aus. So bleibt die nationale Identität der messianischen Juden erhalten – der Schatz ist nach wie vor Bestandteil des Ackers. Die besondere Freude und Aufmerksamkeit des Herrn ist auf diesen gläubigen Überrest Israels gerichtet. Die Erlösung des jüdischen Volkes wird dann vollständig verwirklicht, wenn ganz Israel gerettet wird (Röm 11,26) – bzw. der Schatz ausgegraben und sichtbar wird. Wenn der Schatz aus seiner Verborgenheit hervortritt, wird das Recht des Herrn und sein Besitzanspruch öffentlich verwirklicht.

 

- Das Gleichnis von der kostbaren Perle

Mt 13:45-46  Wiederum ist das Himmelreich gleich einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte.  46 Als er nun eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.


Eine Perle wird im Meer gebildet, wenn ein Fremdkörper in eine Muschel gelangt und dieser von der Muschel umschlossen wird. Dieser Prozess dauert lange Zeit und ist mit Schmerzen für die Muschel verbunden, da der Fremdkörper an ihr reibt und sie zur Absonderung des Sekrets bringt, woraus die Perle besteht. Dies kann uns auf die Grundlage der Entstehung der Gemeinde Jesu hinweisen. Jesaja schreibt über „den Mann der Schmerzen“ im 53. Kapitel: „Durch seine Wunden sind wir geheilt“

Die Gemeinde Jesu ist durch das Blut Jesu Christi erkauft – für sie hat der Heiland alles hingegeben, um die Erlösung am Kreuz zu vollbringen. Der Kaufpreis im siebten Gleichnis war das gesamte Vermögen des Kaufmannes. Dies zeigt den unermesslich hohen Wert des Blutes Jesu Christi an: Er gab damit alles dahin, was er hatte.

 

In Luk 19,10 lesen wird, dass Christus – ebenso wie der Kaufmann im Gleichnis - ausgegangen ist, „zu suchen und zu retten, was verloren ist“.
Wer zum Glauben an Jesus Christus gelangt ist, weiß, dass er von Ihm gesucht und mit dem Preis seines teuren Blutes erkauft wurde.

 

So wie Christus in Mat 13,1 das Land verlässt und sich zum Meer begibt, wird nach der Verwerfung des Messias durch Israel, die Gemeinde Jesu – die Perle aus dem Meer – auf der Grundlage des Erlösungswerkes am Kreuz gebildet.
Ebenso wie der Schatz zunächst im Acker verborgen ist, bleibt die Perle während ihrer Entstehungszeit im Meer verborgen und wird erst sichtbar, wenn sie das Meer verlässt. Eines Tages wird es öffentlich sichtbar, wer echter Bestandteil der Gemeinde Jesu ist. An diesem Punkt sehen wir den Übergang zum letzten Gleichnis.

 

- Das Gleichnis vom Fischernetz

Mt 13:47-50  Wiederum ist das Himmelreich gleich einem Netz, das ins Meer geworfen ward und Fische von allerlei Art zusammenbrachte.  48 Als es voll war, zogen sie es ans Land, setzten sich und sammelten die guten in Gefäße, die faulen aber warfen sie weg.  49 So wird es am Ende der Weltzeit sein: Die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden  50 und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird das Heulen und Zähneknirschen sein.

 

In dem letzten Himmelreichsgleichnis sehen wir den Abschluss der Zeit, in der das Reich in verborgener Form besteht (das Ende dieser Weltzeit). So wie der Schatz und die Perle an das Land gebracht werden mussten, um sichtbar zu werden, so wird in diesem Gleichnis erst nachdem das Netz an Land gezogen ist, sichtbar, was sich darin befindet.

Sowie es eines Tages öffentlich deutlich wird, wer zum gläubigen Überrest Israels und zu den Gläubigen aus den Heiden gehört, so wird es ans Tageslicht kommen, wer aus den Heiden in das Reich des Messias eingehen wird.

Dies wird geschehen, wenn das Netz an Land gezogen ist und die Zeit des Fischens beendet sein wird. An die Gemeindezeit wird sich das Völkergericht anschließen.

In diesem letzten Gleichnis ist das Meer wiederum ein Bild für die Völkerwelt. Die guten Fische ist der Teil, der in das Reich des Messias eingehen wird – die schlechten und faulen Fische werden davon ausgeschlossen sein. Diese Unterscheidung entspricht dem Völkergericht in Mat 25, wenn der Herr die Böcke von den Schafen trennen wird. Die Schafe bzw. die guten Fische werden in das Reich des Messias eingehen – die Böcke hingegen bzw. die faulen Fische werden ausgeschlossen werden und verloren gehen.

 

Im Völkergericht findet die verborgene Form des Reiches ihren Abschluss und geht in die öffentliche Form des messianischen Friedensreich über.

 

Peter Streitenberger