Lieber
Hans-Peter, liebe Mitleser !
Zum Phänomen der Sprachen- bzw. Zungenrede bzw. wie in diesem Zusammenhang
GLWSSA zu verstehen ist, würde ich gerne meine Erkenntnis dazu weitergeben
bzw. zur Diskussion stellen:
1) GLWSSA kann ja sowohl "Zunge" als auch "Sprache" bedeuten. Der Kontext gibt
m.E. in den allermeisten Fällen genug klare Hinweise, welche Bedeutung jeweils
angemessen ist:
h) 1 Kor 14:5 Ich wünschte, dass ihr alle in Sprachen
reden würdet [LALEIN GLWSSAIS]
i) 1 Kor 14:6 Nun aber, ihr Brüder, wenn ich zu euch käme und in
Sprachen redete [GLWSSAIS LALWN], was würde ich euch nützen,
j) 1 Kor 14:13 Darum: Wer in einer Sprache redet [hO
LALWN GLWSSH], der bete, dass er es auch auslegen kann.
k) 1 Kor 14:23 Wenn nun die ganze Gemeinde am selben Ort zusammenkäme,
und alle würden in Sprachen reden [GLWSSAIS LALWSIN], und es kämen Unkundige
oder Ungläubige herein, würden sie nicht sagen, dass ihr von Sinnen seid?
3) Einige Gedanken dazu:
- "In Zungen reden" zu übersetzten, klingt nach unnötiger Redundanz (wie, wenn
man sagen würde "in Mündern" oder "in Stimmbändern reden": Rede wird nie ohne
Zunge hervorgebracht - dies muss nicht extra mitgeteilt werden. Die Betonung
in Apg 10,46 etwa, dass mit "Zungen" gesprochen worden ist, wäre sinnlos, da
dies ohnehin nicht anders möglich ist. Ebenso ergäbe die Übersetzung der
rhetorischen Frage in 1Kor 12,30 keinen Sinn, da natürlich alle Menschen mit
Zungen reden (ebenso sinnlos wäre: 1Kor 14,5f; und 14,23).
- Markus erwähnt: "GLWSSAIS KAINAIS" -> wie Apg 2 zeigt,
erhielten die Jünger nicht neue konkrete Zungen, sondern die Fähigkeit in
neuen Sprachen (!) zu reden, die bis dato nicht gesprochen wurden. Also neue
Sprache wird der bis dato gesprochenen gegenübergestellt - nicht jedoch eine
alte und eine neue Zunge als Sprechorgan. Einen übernatürlichen Vorgang des
Erhaltes "neuer Zungen" schließe ich aus.
- Agp 2,4 erwähnt "hETERAIS GLWSSAIS" -> hier wird eine andere Art von Sprache
(!), nämlich die Sprachen, die die Zuhörer (Ägypter, Römer, Araber etc.)
verstanden und mit der eigenen Sprache der Jünger (Aramäisch) kontrastiert. Es
geht um das, was mit der Zunge "ausgesprochen" wird, nämlich die Sprache.
- In 1Kor ist von der Auslegungs- bzw. Übersetzungsbedürftigkeit (hHRMENEIA in
1Kor 12,10: m.E. wohl eher Übersetzung als Auslegung), dessen, was mitgeteilt
wurde, die Rede. Übersetzt werden muss jedoch eine Fremdsprache und nicht eine
konkrete Zunge.
4) Ergebnis: Ich würde daher nicht mit "in Zungen reden", sondern "in Sprachen
reden" übersetzen.
Mit besten Grüßen !
Peter
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