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Forumfrage: Forumantwort:

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Hallo,

ich habe eine Frage explizit zu Peter Streitenbergers Artikel über die falsche Auslegung von John McArthur bzgl. der Verwerfungslehre. Vielleicht kann er mir ja folgende Frageeinfach verständlich erklären:

Gott ist souverän. Er hat Jakob geliebt und Esau gehasst (Rö9,13). Rö 9,15 + 16 sagt nun, dass es an Gottes Erbarmen liegt, wem er gnädig ist. Er ist der Töpfer. Und der Ton respektive das Gefäß kann nicht mit dem Töpfer diskutieren. Jedoch sagt 1. Tim 2,4, dass Gott will, dass alle Menschenerrettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Wessen Wille ist denn nun die Bekehrung? Und darüber hinaus wird ebenfalls gesagt, dass es Gnade ist, dass jemand überhaupt Sündenerkenntnis hat - dass selbst der Schritt zur Bekehrung, zum Sündenbekenntnis ein Geschenk Gottes ist. Inwieweit ist es denn jetzt der freie Wille des Menschen sich für oder gegen Gott zu entscheiden? Ich habe da meine riesengroßen Zweifel und bitte um Aufklärung.

 Danke im Voraus.

 hg

Jens

Lieber Jens

 
eine spannende Frage, die Du stellst !
 
In Römer 9 wird bereits jeweils vorausgesetzt, wer glaubt und wer nicht, d.h. Gott bestimmt - an dieser und an anderer Stelle der Schrift - nicht den einen zum Glauben und den anderen zum Unglauben voraus. Paulus greift in Röm 9 jedoch Gläubige und Ungläubige heraus, um bestimmte Prinzipien des Heilshandeln Gottes deutlich zu machen (Jakob, Esau, das ungläubige Israel, der gläubige Überrest, Pharao).
Der ganze Römerbrief hat ja das Thema der göttlichen Gerechtigkeit, die JEDEM zugerechnet wird, der an Christus glaubt (Röm 9,33; 10,4; etc.). Der Mensch selbst ist es, der verantwortlich ist - Gott hat alles in Christus getan, damit Sünder selig werden können. In Folge wird der Einzelne - oder ganze Völker - zu Ehre oder Unehre in Gottes souveräne Pläne einbezogen - abhängig von Glaube oder Unglaube.
 
In Römer Kap. 9 wird das größtenteils ungläubige Israel thematisiert - hier zählt nicht die genetische Abstammung, sondern auch der Glaube (V.6-8). Diesem Volk kommt von Seiten Gottes der ganze Segen zu (V.1-6) - genauso wie eigentlich Esau der ganze Segen zugekommen wäre, aber durch den ungläubigen Widerstand von ihm genommen wurde.
Das Prinzip "Segen durch Glauben" war also schon immer so, wie anhand von Jakob und Esau deutlich gemacht wird (V. 9-13). Esau und seine Nachkommen waren Menschen des Unglaubens. In Maleachi wird hunderte Jahre später über den Haß Gottes über diesen Weg, den Esau und seine Nachkommen repräsentiert, gesprochen und Paulus nimmt dieses Zitat in seinen Brief auf. Auch wird die Prophetie erwähnt, die Jakob und Esau VOR deren Leben (einmal des Glaubens - einmal des Unglaubens, das in der Verachtung des Segens des Erstgeburtsrecht und dann auch der weiteren Geschichte der Edomiter deutlich wird) ausgesagt wurde (V.13). Hier geht es nicht um die Entscheidung, wer von beiden glauben darf und wer nicht, sondern, dass der Mann des Unglaubens - gegen die Regel des Erstgeburtsrecht, wegen seines Unglaubens - Jakob dienen wird und den ihm zustehenden Segen nicht erhalten kann. Dies zeigt sich auch in der Geschichte der Nachkommen Esaus, einem rebellischen Volk.
 
Das gleiche gilt ab V. 18 für den Pharao, einem Mann der Gott aufgrund seines Unglaubens Widerstand leistet. Trotzdem wird er in Gottes souveräne Pläne einbezogen, da Gott wußte wie Pharao sich verhalten werde und daher auch die Prophetie geben konnte, was geschehen werde. Gott steht also nicht ratlos da, sondern kennt das Weltgeschehen und auch das konkrete Verhalten und den Glauben oder Unlauben und handelt damit in seinen Plänen, obwohl er niemals den Unglauben vorherbestimmt hat oder dafür verantwortlich gemacht werden kann.
 
Der Ton in Folge (V.21) ist dann die eine Masse Mensch, von denen die Gläubigen zur Ehre - die Ungläubigen zur Unehre Gottes gebildet werden. Zur Unehre etwa widerspenstige Menschen wie Esau oder Pharao oder das in der jetzigen Zeit größtenteils ungläubige Israel - zur Ehre etwa Jakob und Menschen des Glaubens. Das Prinzip des Segens aufgrund des Glauben (bzw. des Fluches aufgrund von Unglauben) zeigt sich dann ab V.22, nämlich, dass das großteils ungläubige Israel verworfen wird, eben so wie Esau und die Edomiter verworfen wurden - die Heiden hingegen, die den Glauben an den Messias annehmen und gerettet werden und den ganzen Segen - wider das Prinzip des Erstgeburtsrecht, das dem jüdischen Volk zukommt, erben.
 
In Römer 9 gibt es keinen Widerspruch dazu, dass Gott jeden Menschen retten will - auch Pharao hatte ja die Gelegenheit zur Umkehr, verschloss aber sein Herz, bis er schließlich von Gott verhärtet wurde. Über allem steht aber der souveräne Gott, der die Gläubigen auserwählt hat, für ihn ein Zeugnis zu sein und den Segen zu erben.
 
 
Beste Grüße aus Ingolstadt !
Peter

 

 

Rö. 9-11 Grundgedanken
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