Beantwortung von speziellen Einwänden
07.11.2011
Zu diesem Thema hat Bruder Roger Liebi ein Vortrag gehalten:
Christliche Literatur- und Kassettenvermittlung Sanddornweg 1, CH-3613 Steffisburg
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Matthias Müller führt in seiner Arbeit mindestens 30 angebliche „Widersprüche“, bzw. „Fehler“ der Bibel an. Die meisten Einwände stammen aus dem Buch „Losing Faith in Faith“ von Dan Barker - speziell die Seiten 164-177. Ihm folgt Matthias Müller in seiner Argumentation oft wortwörtlich. Andere Argumente hat Matthias Müller dem Buch „The Case Against Christianity“ von Michael Martin entnommen. (Mehr zu diesen Büchern im Kapitel „Buchbesprechung“).
Ich werde bei jeder Frage zuerst den Einwand von Matthias Müller vollständig wiedergeben (nur die graphische Gestaltung ist ein wenig anders). Manchmal versuche ich den Einwand mit eigenen Worten nochmals zu erklären, dann folgt die Antwort. Die Titel der Einwände stammen von Matthias Müller, bzw. Dan Barker, sie sind aber, entsprechend der Reihenfolge, in der ich sie beantworte, neu nummeriert.
1) Wann wurde Jesus gekreuzigt?
Es war aber die dritte Stunde, und sie kreuzigten ihn. (Mark.15.25)
Es war um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: Siehe, euer König! Sie aber schrien: Weg, weg! (Joh. 19.14)
Erklärung des Problems:
Gemäss dem Markusevangelium wurde Jesus Christus um die dritte Stunde gekreuzigt, während er gemäss Johannes um die sechste Stunde noch immer von Pilatus verhört wurde.
Antwort:
Nicht nur Markus, sondern auch Matthäus und Lukas bezeugen, dass Jesus um die dritte Stunde schon am Kreuz hing: Von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Dann starb Jesus Christus. (Mt 27,45-50; Mk 15,33-37; Lk 23,44-46).
Der Widerspruch zwischen Matthäus, Markus, Lukas einerseits und Johannes andererseits löst sich sofort auf, wenn man weiss, dass die ersten drei Evangelisten ihre Tageszeitangaben nach der jüdischen Zeiteinteilung machten, Johannes dagegen die römische Zeiteinteilung benutzte.
Die jüdische Tageszeiteinteilung begann bei Sonnenaufgang und endete bei Sonnenuntergang. Die dazwischen liegende Zeit wurde in 12 Abschnitte aufgeteilt. Vereinfachend ergibt das 12 Stunden von etwa morgens 6 Uhr bis etwa abends 6 Uhr. Die dritte Stunde entspricht also etwa 9 Uhr vormittags, die sechste Stunde dem Mittag (Sonnenhöchststand), die neunte Stunde unserem 15 Uhr.
Die Römer dagegen zählten die Tages- und Nachtstunden wie wir von Mitternacht bis Mitternacht in 24 Stunden. Die Szene vor Pilatus, die Johannes in Kap. 19,14 schildert, fand also um 6 Uhr morgens statt. [Und tatsächlich: in Kap. 18,28 schreibt Johannes, dass Jesus „früh morgens“ zu Pilatus gebracht wurde. Kurz vorher hatte der Hahn gekräht (18,27).]
Eine Bestätigung, dass Johannes sich an die römische Zeiteinteilung hält, finden wir in Kap.20,19, wo er ein Ereignis beschreibt, das am Abend des Auferstehungstages stattfand. Zunächst müssen wir uns in Erinnerung rufen, dass bei der jüdischen Zeiteinteilung der Tag nach Sonnenuntergang beendet ist. Der 1.Tag der Woche – unser Sonntag – dauert in jüdischer Sicht nur bis es dunkel ist. Johannes hingegen ordnet die späten Abendstunden des Auferstehungstages immer noch dem „ersten Tag der Woche“ zu. (Aus der Parallelstelle in Lukas 24 (Verse 13.29.33.36) lässt sich ableiten, dass nach dem Abendwerden nochmals 2-3 Stunden vergangen sein mussten, bis Jesus sich seinen eingeschlossenen Jüngern offenbarte.)
Eine weitere Bestätigung finden wir in Johannes 1,39. Dort heisst es, dass Andreas und Petrus Jesus Christus in der zehnten Stunde trafen und jenen Tag bei ihm blieben. Wenn hier Johannes die jüdische Zeitrechnung benützte, würde das heissen, dass sie sich um etwa 4 Uhr nachmittags/abends trafen, dies wäre etwas spät um den Tag mit Jesus zu verbringen. (Nach jüdischer Zeitrechnung hört der Tag um etwa 6 Uhr abends auf) Gemäss römischer Zeitrechnung wäre dies aber 10 Uhr morgens, also noch genug Zeit den Tag mit Jesus Christus zu verbringen.
Mögliche chronologische Abfolge der Ereignisse vor /während der Kreuzigung:
Fackeln, Lampen Gefangennahme im Garten Jh 18,3
Nacht Verhör vor Hannas und Kajaphas
bei Tagesanbruch Verhör vor dem Hohen Rat Lk 22,66; Mt 27,1+2
frühmorgens zu Pilatus ins Prätorium Jh 18,28; Mk 15,1
von Pilatus zu Herodes und zurück Lk 23,6-11
6 Uhr Verurteilung durch Pilatus
Jh 19,14
Jesus wird nach Golgatha geführt Jh 19,16
9 Uhr Kreuzigung Mk 15,25
12 Uhr Finsternis Mt 27,45-50;
Mk 15,33-37; Lk 23,44-46
15 Uhr Tod Jesu do
Nun könnte man sich noch fragen, weshalb Johannes, im Gegensatz zu den anderen Evangelisten, die römische Zeitrechnung benützte. Eine mögliche Antwort liegt darin, dass er als einziger sein Evangelium nach 70 n. Chr. schrieb, also nachdem der Tempel und die nationale Identität der Juden zerstört worden war. Zu der Zeit, als er schrieb, war Judäa ganz römisch. Ausserdem
schrieb Johannes gemäss Irenäus sein Evangelium in Ephesus, der Hauptstadt der römischen Provinz Asia.
Es wäre schon speziell, wenn Johannes, als Lieblingsjünger von Jesus Christus, nicht gewusst hätte wann Jesus Christus gestorben wäre, speziell, da er als Augenzeuge dabei war!
2) Paulus' Zeugnis
Die Männer aber, die mit ihm des Weges zogen, standen sprachlos, da sie wohl die Stimme hörten, aber niemand sahen. (Apg. 9.7)
Die aber bei mir waren, sahen zwar das Licht, aber die Stimme dessen, der mit mir redete, hörten sie nicht. (Apg. 22.9)
Einwand: Ich habe mich immer gefragt, weshalb Gott nicht einen Augenzeugen als Autor für das halbe Neue Testament gewählt hat, sondern jemand, der lediglich eine Vision des auferstandenen Jesus hatte. Hier stellt sich heraus, dass Paulus nicht mal mehr sicher war, was bei diesem Zwischenfall genau geschehen ist – höchst suspekt!
Antwort: Hier gibt es nur einen scheinbaren Widerspruch in der deutschen Sprache, obwohl auch sie ein Hören im Sinne von „Geräusch wahrnehmen“ und ein Hören im Sinne von „verstehen“ kennt. Im Griechischen ist die Sache eindeutig. Das griechische Wort (im Infinitiv) für hören ist sowohl in Apg 9,7, wie auch Apg 22,9 „akouein“. In Kapitel 9 wird das Wort aber mit dem Genitiv (Wesfall) gebraucht, in Apg 22 hingegen im Akkusativ (Wenfall). „akouein“ mit dem Genitiv betont die Quelle der Wahrnehmung, „akouein“ mit dem Akkusativ betont den Inhalt des Gehörten.
Die Männer, die mit Saulus waren, hörten etwas, verstanden aber nicht, was gesagt wurde.
Ähnlich war es in Joh 12,28+29. Dort sprach Gott, der Vater über seinen Sohn Jesus Christus und die Volksmenge, die dastand hörte zwar ein Geräusch, verstand aber nicht was gesagt wurde.
Analog war die Wahrnehmung der Begleiter des Paulus in bezug auf das Licht. Sie sahen das Licht als Helligkeit, aber keine Person.
So heisst es auch in Apg 9,7: „…sie [die Begleiter] sahen niemanden“. Während es in Apg 22,9 heisst, dass die Begleiter das Licht sahen.
Vergleiche zur Bestätigung dieser Behauptung:
„Griechische Grammatik zum Neuen Testament“, Ernst G. Hoffmann/Heinrich von Siebenthal, Immanuel-Verlag, 1985/1990, S. 239 Fussnote 1 zu §167 a.
„Vine‘s Complete Expository Dictionary of the Old and New Testament Words“, W.E.Vine, Merrill F.Unger, William White, Jr.. Thomas Nelson Publishers, 1985, S.296 unter „Hear, Hearing“, A. Verbs, 1. akouo (b).
3) Messias oder Jungfrauengeburt?
Einwand: Das Alte Testament sagt, dass der Messias ein Nachkomme Davids sein wird. Auch Paulus bestätigt: "…Jesus, der aus der Nachkommenschaft Davids gekommen ist dem Fleische nach" (Römer 1.3). Die zwei Stammbäume in Matth. 1.1-16 und Lukas 3.23-38 versuchen, dies zu beweisen. Dass die zwei Stammbäume widersprüchlich sind, ist nicht das Hauptproblem. Das Hauptproblem ist, dass Jesus gar nicht der Sohn des Joseph war. In beiden Abschnitten wird dem Rechnung getragen:
Jakob aber zeugte Josef, den Mann Marias, von welcher Jesus geboren wurde... (Matth. 1.16)
Und Jesus war ungefähr dreissig Jahre alt, als er auftrat und war, wie man meinte, ein Sohn des Josef, des Eli,... (Lukas 3.23)
Aber diese Ergänzungen machen den ganzen Stammbaum zunichte! Der Autor des Lukasevangeliums sagt eigentlich "...wie man fälschlicherweise meinte...". Also entweder ist Jesus der Messias dem Fleische nach oder er ist von einer Jungfrau geboren, beides geht nicht! Vielleicht stammte ja Maria von David ab, wieso werden dann aber die Stammbäume von Joseph aufgeführt? Haben sich die Autoren des NT geirrt?
Erklärung des Problems:
Da Matthias Müller davon ausgeht, dass beide Evangelien das Geschlechtsregister von Joseph wiedergeben, sagt er, dass Jesus Christus gemäss den Stammbäumen gar nicht ein leiblicher Sohn („dem Fleische nach“) von David ist. Ausser Maria wäre auch aus Davids Linie. Ausserdem spricht er unbestimmt von „zwei widersprüchlichen Stammbäumen“. (Wenn die beiden Geschlechtsregister wirklich beide vom Joseph wären und beide den Stammbaum von Josephs Vater darstellen würden, wären sie tatsächlich widersprüchlich, bzw. verschieden).
Antwort: Das Neue Testament hat vier Evangelien, die uns die Person des Herrn Jesus Christus zeigen. Dabei zeigt uns jedes der vier Evangelien Jesus Christus von einer anderen Seite. Im Matthäus-evangelium sehen wir besonders den König, der gekommen ist um sein Reich zu empfangen. Er ist der Messias, der Sohn Davids, der im Alten Testament verheissen war. Im Markusevangelium liegt die Betonung auf dem Knecht Jesus Christus, der umherzieht und die Menschen heilt. Im Lukasevangelium sehen wir besonders die Seite des Menschen Jesus Christus. Das Johannesevangelium schliesslich betont, dass er der Sohn Gottes ist. Entsprechend ihren Schwergewichten bringen Markus und Johannes kein Geschlechtsregister (bei einem Knecht ist die Abstammung unwichtig; als Sohn Gottes von Ewigkeit (Joh. 1) hat Christus keine Abstammung.) Bei Matthäus, der die königliche Würde betont, und Lukas, der den wahren Menschen zeigt, finden wir folgerichtig ein Geschlechtsregister.
(vgl. Roger Liebi, Einführung in die vier Evangelien, Beröa, 1990)
Im Matthäusevangelium wird mit dem Geschlechtsregister nachgewiesen, dass Jesus Christus als „Sohn Davids“ Anrecht auf den Thron Davids hat. Als „Sohn Abrahams“ ist er auch aus dem „Samen Abrahams“, durch den alle Geschlechter der Erde geegnet werden. Darum beginnt das Geschlechtsregister im Matthäusevangelium mit Abraham und David. Im Lukasevangelium wird sein Menschsein betont, darum beginnt das Geschlechtsregister mit dem ersten Menschen, Adam.
Das Evangelium des Matthäus zeigt uns das Geschlechtsregister von Joseph (Matthäus 1,1-17). Dort heisst es: „Jakob zeugte den Joseph, den Mann der Maria“. Dies ist die rechtliche Linie. Da Joseph der rechtliche (wenn auch nicht der leibliche!) Vater von Jesus Christus war und selber von David abstammt, hat Jesus Christus Anrecht auf den Thron Davids. Dieses Geschlechtregister geht über Davids Sohn Salomo (2. Sam 7,12-16).
(Gott hat auf diese Linie einen Fluch gelegt, so dass kein leiblicher Nachkomme Konjas (=Jechonias) auf dem Thron sitzen soll. Jeremia 22,24+30; 36,30. Joseph war ein leiblicher Nachkomme Jechonias, aber Jesus Christus nicht.)
(Bezüglich den verschiedenen Namen von Konja=Jechonia siehe Kapitel „Ursachen von „Widersprüchen“ in der Bibel“).
Das Lukasevangelium, das uns Jesus Christus als Menschensohn zeigt, enthält das Geschlechtsregister von Maria, der menschlichen Mutter von Jesus Christus. Jesus Christus stammt also körperlich von Maria ab, die ihrerseits von David und Juda abstammte. Jesus Christus ist als Messias also ein Nachkomme Davids, wie es das Alte und Neue Testament (Röm 1,3) zeigen. Das Lukasevangelium sagt nicht, dass Eli Joseph zeugte, denn Eli war der Vater von Maria, der Schwiegervater von Joseph.
Für die sprachliche Bestätigung zitiere ich aus Roger Liebi, S.56:
„d)… Wenn Joseph gemäss Lukas 3,23 ein Sohn Elis sein soll, so müsste man dies im Sinne von „Schwiegersohn“ auffassen. Man beachte dabei, dass es durchaus eine hebräische Ausdrucksweise ist, den „Schwiegersohn“ als
„Sohn“ zu bezeichnen (vgl. 1.Sam 24,17). Maria wird nicht erwähnt, weil es gemäss jüdischer Sitte nicht üblich war, Frauen in einem Geschlechtsregister als Bindeglieder zu verzeichnen.
e) Es ist durchaus denkbar, den Text auch folgendermassen zu übersetzen, indem man den griechischen Ausdruck „hos enomizeto Joseph“ („wie man meinte Josephs“) als kleine Parenthese auffasst: „Und er selbst, Jesus, begann ungefähr dreissig Jahre alt zu werden, und war ein Sohn (wie man meinte Josephs) des Eli, des Matthat, des Levi…“ (Luk. 3,23.24) Das Beachtliche an dieser Übersetzung ist, dass man sich dabei effektiv näher dem griechischen Satzbau anschliesst. Zudem ist es bemerkenswert, dass im Grundtext ausgerechnet nur vor dem Namen „Joseph“ der Artikel weggelassen worden ist, wie wenn dieser Name sprachlich dadurch vom Text des Geschlechtsregisters abgehoben werden sollte. Wenn Jesus hier somit als „Sohn“ seines Grossvaters Eli bezeichnet wäre, so muss man bedenken, dass dies durchaus hebräischer Ausdrucksweise entsprechen würde (vgl. z.B. Matth. 1,1).
Wie Matthias Müller richtig festhält, wird in beiden Evangelien klar gesagt, dass Jesus Christus von einer Jungfrau geboren wurde und nicht der leibliche Sohn des Joseph ist.
(Die Geschlechtsregister wurden von den Juden im Tempel aufbewahrt. Alle Zeitgenossen Jesu konnten die von Matthäus und Lukas aufgeführten Geschlechtsregister überprüfen. Da der Tempel mit den Unterlagen 70 n. Chr. zerstört wurde, wird andererseits kein zukünftiger Messias (den die Juden fälschlicherweise erwarten) sich mit Geschlechtsregistern als Nachkomme David ausweisen können.
4) Hat jemand Gott gesehen?
Niemand hat Gott jemals gesehen. (Joh.1.18)
Und Jakob gab der Stätte den Namen Pnuel: denn ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen. (1.Mose 32.31)
Antwort: Es ist sehr gefährlich Bibelverse nur teilweise zu zitieren. Die Antwort auf den obigen Einwand wäre im zweiten Teil von Johannes 1,18 gefunden worden: „der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoss ist, der hat ihn kundgemacht.“ (Sowohl Matthias Müller, wie auch Dan Barker zitieren in Johannes 1,18 nur den ersten Teil des Verses).
Gott ist Geist und kein Mensch kann Gott sehen und leben (2.Mose 33,20), ausser Gott offenbart sich uns Menschen, und zwar so, dass wir es ertragen (Ri 13,22). Dies ist in Jesus Christus geschehen (Joh 1,18b; 14,9; Mt 11,27). Denn er ist „das Bild des unsichtbaren Gottes“ (Kol 1,15). Auch im Alten Testament hat sich der Sohn Gott schon bei verschiedenen Erscheinungen geoffenbart, z.B. dem Mose (5. Mose 34,10), dem Abraham (1. Mo 18,1+2; Apg 7,1; vgl. Joh 8, 56-58), dem Jesaja (Jes 6,1+5; Joh 12,41), dem Manoach (Ri 13,22) oder als „der Engel des Herrn“. So konnte Hagar sagen: „Du bist ein Gott, der sich schauen lässt.“ (1. Mo 16,13)
5) Frau und Mann gleichgestellt?
Da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. (Gal.3.28)
Denn der Mann freilich soll sich das Haupt nicht verhüllen, da er Gottes Bild und Abglanz ist, die Frau aber ist des Mannes Abglanz. Denn der Mann ist nicht von der Frau,
sondern die Frau vom Mann, denn der Mann wurde auch nicht um der Frau willen geschaffen, sondern die Frau um des Mannes willen. (1.Kor.11.7-9)
Antwort: Die an den Herrn Jesus Christus gläubige Frau ist dem an den Herrn Jesus Christus gläubigen Mann gleichgestellt was ihre geistlichen Vorrechte betrifft: „in Jesus Christus“. Sie hat ebenfalls direkt Zugang zu Gott durch den Herrn Jesus Christus. (Im alten Testament hatten nur einige männliche Juden, d.h. die Priester, direkten Zugang zu Gott. Jetzt haben alle wiedergeborenen Gläubigen, ob aus den Juden oder aus den Heiden, ob Männer oder Frauen, direkten Zugang zu Gott). Auch ist die Frau nicht weniger wert als der Mann.
Was ihre (Aufgaben-)Stellung hier auf der Erde betrifft, zeigen Stellen wie 1. Kor 11;14, 1,Tim 2,12. Die Frau ist sowohl in der Ehe, wie auch in der Gemeinde, dem Manne untergeordnet, sie hat andere Aufgaben als der Mann.
Ein schwacher Vergleich: Eine Sekretärin mag in einer Firma dem Direktor untergeordnet sein, aber vor dem Gesetz ist sie ihm gleichgestellt.
6) Das Gesetz des AT
Einwand: Jesus bestätigt, dass das Gesetz des AT eins zu eins zu übernehmen ist:
"Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen..." (Matth.5.18)
Damit gilt das beliebte Argument vom alten und neuen Bund bezüglich dem Gesetz nicht! In der Apostelgeschichte wird ein Teil des Gesetzes dann trotzdem aufgehoben:
"Petrus aber sprach: Keineswegs, Herr! Denn niemals habe ich irgend etwas Gemeines oder Unreines gegessen. Und wieder erging die Stimme zum zweiten Mal an ihn: Was Gott gereinigt hat, mach du nicht gemein!" (Apg.10.13-14)
Christen scheinen frei zu wählen, welche Gesetze vom AT zu übernehmen sind und welche nicht. Alle Reinheits-, Feiertags- Rechtsgesetze und das Sabbatgesetz werden zum Beispiel ersatzlos und willkürlich gestrichen.
Antwort: Leider ist die Frage, wieweit das Gesetz auch noch für an Jesus Christus Gläubige Gültigkeit hat, nicht nur eine Frage für Matthias Müller, sondern auch für viele Gläubige.
Das Gesetz wurde einem einzigen Volk (und nur diesem) gegeben: Israel (2.Mo. 19,3-8; Röm 9,4). Kein Teil des Gesetzes wurde je einem Nichtjuden gegeben. Zum Gesetz gehören nicht nur die 10 Gebote, sondern auch alle (über 600!) Reinheitsvorschriften, Opfergesetze, usw.. Es wird nirgendwo gesagt, dass die Christen dieses Gesetz „eins zu eins zu übernehmen“ haben. Der von Matthias Müller zitierte Vers Mt 5,18 sagt nur aus, dass das Gesetz bleiben wird bis „Himmel und Erde“ vergehen werden. Und es wird bis dann seinen Zweck erfüllen als Aufzeichnung der Gerechtigkeit Gottes. Das Gesetz wurde nicht abgeschafft. Aber wozu wurde überhaupt das Gesetz gegeben? (Gal 3,19) Das Gesetz wurde nicht gegeben zur Errettung. Das Gesetz wurde gegeben zur Erkenntnis der Sünde (Röm 3,19.20;7,7).
Das Gesetz hat auch eine Funktion für die Ungläubigen (1.Tim 1,8+9). Hingegen sind die Wiedergeborenen nicht unter dem Gesetz. Nicht weil das Gesetz abgeschafft wäre, sondern weil sie dem Gesetz gestorben sind. (vgl. Röm 7; Gal 2,19) Das Gesetz hat
keine Gewalt über gestorbene Menschen!
vgl. „Das Gesetz - Die Lebensregel des Christen?“, J.G.Fijnvandraat, CSV, n.d.
7) Der Sabbat
Einwand: Es ist interessant, wie locker speziell das Sabbatgesetz unter Christen gehandhabt wird, obwohl es ja eines der 10 Gebote ist. Das Gebot "Kein Sex vor der Ehe" z.B. ist den meisten Christen viel heiliger, obwohl es nirgends explizit in der Bibel steht!
"Und als die Söhne Israel in der Wüste waren, da fanden sie einen Mann, der am Sabbattag Holz auflas. Und die ihn gefunden hatten, wie er Holz auflas, brachten ihn zu Mose und zu Aaron und zu der ganzen Gemeinde. [...] Da sprach der HERR zu Mose: Der Mann soll unbedingt getötet werden; die ganze Gemeinde soll ihn ausserhalb des Lagers steinigen." (4.Mose 15.32-35)
"Und es geschah, dass er am Sabbat durch die Saaten ging; und seine Jünger fingen an, im Gehen die Ähren abzupflücken. Und die Pharisäer sagten zu ihm: Sieh, was tun sie am Sabbat, das nicht erlaubt ist?" (Markus. 2.23-24)
Hatten die Pharisäer nicht absolut recht mit ihrer Bemerkung? Sie berufen sich auf das Gesetz des Mose! Hat Gott inzwischen seine Meinung geändert?
Antwort: Dass das Sabbatgebot eines der 10 Gebote ist, ändert nichts daran, dass die Christen nicht unter dem Gesetz stehen. (Das Sabbatgebot ist übrigens das einzige der 10 Gebote, das in bezug auf die Gemeinde - in den Lehrbriefen oder in der Offenbarung - nicht wiederholt wird).
Dass das Gebot „Kein Sex vor der Ehe“ nicht explizit in der Bibel stehe, stimmt natürlich nicht.
Sowohl im Alten Testament, wie auch im Neuen Testament (Joh 7,53-8,11) wird vor-, bzw. ausserehelicher Geschlechtsverkehr als Sünde bezeichnet. (Es gibt keinen Unterschied bezüglich vor- und ausserehelichem Geschlechtsverkehr, beides wird unter dem Begriff „Hurerei“ in der Bibel verurteilt, als Geschlechtsverkehr mit jemandem mit dem man nicht verheiratet ist).
In jeder Konkordanz kann man nachschlagen, was die Bibel über die Hurerei sagt. Als Beispiel erwähne ich nur 1. Kor 6;7, 2, und Offenbarung 22, 15.
Noch eine Bemerkung zu der genannten Stelle aus Markus: Das Ausraufen von Ähren war nirgends im Alten Testament verboten worden. Die Juden hatten unzählige menschliche Vorschriften zum alttestamentlichen Gesetz hinzugefügt, die keine biblische Grundlage hatten.
9) Die Hölle
Einwand: Im Alten Testament wird nicht unterschieden zwischen Himmel und Hölle. Es gibt nur den Scheol, wo alle Toten hingehen. Wie konnte Gott nur über Tausende von Jahren schweigen zu diesem Thema? Im Neuen Testament sieht es anders aus:
Er (Jesus) wird die Tenne durch und durch reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen. (Matth.3.12)
Jeder der seinem Bruder sagt: Du Narr! Wird der Hölle des Feuers verfallen sein. (Matth. 5.22)
In der Hölle werden Menschen unendlich lange gefoltert. Aber kein Mensch hat ein unendliches Mass an Sünden begangen, denn er hat ja nur endlich lange gelebt. Zudem genügt ja schon der Spruch: "Du Narr" um dieser grauenhaften Strafe zu verfallen. Ist dies nicht absolut unverhältnismässig? Zudem war das Leiden Christi am Kreuz zeitlich endlich - nur sechs Stunden und soll diese unendliche Strafe aufwiegen! Ich zum Beispiel, weil ich vom blind Vertrauenden zum ehrlichen Zweifler geworden bin, würde vom Biblischen Gott dafür ewig gefoltert. Der Biblische Gott ist sicher nicht derjenige, der meinen Verstand geschaffen hat, welcher mich zu meinen Erkenntnissen und Schlüssen geführt hat!
Antwort: Die Bibel ist ein Buch der fortlaufenden Offenbarung des Heilsplans Gottes. Es ist richtig, dass vieles erst im Neuen Testament ganz offenbart wird. Die Behauptung aber, dass die Menschen vor der Offenbarung des Neuen Testamentes nichts von dem unterschiedlichen Schicksal von Gläubigen und Ungläubigen wussten, stimmt nicht. Als Beispiel möchte ich Daniel 12,2 anführen:
„Und viele von denen, die im Staub der Erde schlafen werden aufwachen: die einen zu ewigem Leben und die anderen zur Schande, zu ewigem Abscheu.“
Ebenso spricht Psalm 49, 14-16 von einem unterschiedlichen Schicksal von Gläubigen und Ungläubigen.
Aus den Bemerkungen wird offenbar, dass Matthias Müller die wahre Sündhaftigkeit des Menschen, seine eigene eingeschlossen, noch nicht realisiert hat. Ebensowenig die Grösse des Erlösungswerkes Jesu Christi.
Empfehlenswerte Lektüre zu diesem Thema: „How can a God of Love send people to Hell?“, John Benton, Evangelical Press, 1985/87
10) Sollen wir gute Werke zeigen?
So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen. (Matth. 5.16)
Habt acht auf eure Gerechtigkeit, dass ihr sie nicht vor den Menschen übt, um von ihnen gesehen zu werden. Sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist. (Matth. 6.1)
Antwort: Das, was diese beiden Aussagen voneinander unterscheidet ist das Motiv. Wieso mache ich gute Werke? Damit sie „euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen“ (Matth.
5,16) oder „um von ihnen [den Menschen] gesehen zu werden“? (Matth. 6,1)
Für Fragen, Verbesserungsvorschläge und Einwände darf man sich gerne an mich wenden:
Patrick Tschui, Heuweidlistr. 12, CH-8340 Hinwil, Tel. + h.p.wepf@bibelkreis.ch: 01/937 18 64; patrick.tschui@clkv.ch.ch